Selbstvertretung

Was bedeutet Selbstvertretung?

• Mitreden und mitbestimmen, wo es um Menschen mit Behinderung geht.
• Seine eigenen Interessen oder die einer Gruppe vertreten und für sich selbst sprechen.
• Seine Rechte und Pflichten kennen und einfordern.
• In allen Lebensbereichen Wahlmöglichkeiten haben und eigene Entscheidungen treffen können.
• Bei politischen Entscheidungen mitreden und mitwirken.

Warum braucht es Selbstvertretung?

Nichts über uns, ohne uns! Es geht darum, dass die Gesellschaft Menschen mit Behinderungen als Experten in eigener Sache anerkennt und die Sichtweisen und Meinungen von Betroffenen wahrgenommen werden. Sie wissen was sie brauchen und wo Veränderungen nötig sind. Behinderung ergibt sich aus Barrieren der Gesellschaft und nicht nur durch körperliche Merkmale. Barrieren können in der Infrastruktur liegen oder in den Köpfen der Menschen. Menschen ohne Behinderung sehen diese Barrieren oft nicht weshalb es wichtig ist, sie darauf aufmerksam zu machen. Es geht dabei nicht darum alles anzuprangern was schlecht läuft, sondern die Gesellschaft auf die Barrieren und Hindernisse im Leben von Menschen mit einer Behinderung aufmerksam zu machen.
Geschichte der Selbstvertretung

In den 1960er Jahren entwickelte sich eine Bürgerrechtsbewegung in den USA, die sich gegen das fremdbestimmte Fürsorgesystem und für mehr Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen einsetzte. Das übergeordnete Ziel dieser Bürgerbewegung, die aus jungen körper- und sinnesbehinderten Menschen bestand, war eine selbstbestimmte Lebensführung für Menschen mit einer Behinderung zu erreichen. Die Independent-Living Bewegung forderte, dass die Abhängigkeit von anderen auf das unumgängliche Minimum reduziert werden soll. Es entstanden in den USA nach und nach «Center for Independent Living» in denen Menschen mit körperlichen Behinderung, Sinnesbehinderungen aber auch psychischen Behinderungen sich gegenseitig berieten und in ihren Anliegen und Bedürfnissen unterstützen. Parallel entwickelte sich in skandinavischen und angloamerikanischen Ländern die «Self-Advocacy-Bewegung» von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Sie schlossen sich in unabhängigen und selbstorganisierten Gruppen zusammen um für ihre Anliegen, Bedürfnisse und Rechte öffentlich einzustehen. Sie sind bekannt unter dem Namen People First (Mensch zuerst). Self-Advocacy meint Selbstvertretung, Selbstbestimmung oder Selbsthilfebewegung und hat zum Ziel, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten Kontrolle über ihr Leben erlangen und für sich selbst zu sprechen.